Es hätte alles ganz anders stattfinden sollen, denn es war ganz anders geplant. Voller Erwartung stürzte man sich in den VW-Bus, mit dem man zum Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München pendelte. Das Auto wurde ordnungsgemäß einem Drittverwahrer übergeben, der uns dann auch gleich zum richtigen Terminal brachte. Dort angekommen hieß es sich erstmal gütlich tun an einer “Weißwurscht mit a Brezn”. Es dachte auch noch niemand an etwas Böses, als erste Verzögerungen aufgrund der Witterung eintraten, denn die Flugzeuge mussten enteist werden. Dies sollte noch nachhaltig in Erinnerung bleiben, denn die “Rue de la Gag”, besser als “Scheissgasse” bekannt, so war man sich nach hingebungsvollem Studium der Landkarte “Mitteleuropa – desaströs” sicher, beginnt genau hier. Die Landung in Paris – Charles de Gaulle klappte beinahe zu reibungslos – quasi Ruhe vor dem Sturm. So konnte man zuerst das Gepäck nicht ausmachen, kam sowieso schon verspätet zur Bushaltestelle, von wo man mit der Linie 3 zum Flughafen Orly fahren musste und nach einer Dreiviertelstunde des Wartens auf den auf 30 Minuten getakteten Bus blieb so mancher auf der Strecke. Für diejenigen hieß es ein Taxi erwischen, um den Flug nicht zu versäumen. Als sich die Gruppe um den Skipper wieder schloss, lautete die Devise schnell zum Check-In, weil man allem Anschein nach bereits erwartet wurde. Der Sicherheitscheck bereitete keine Schwierigkeiten und wir machten uns ans fröhliche Finden unserer Plätze in der nicht gerade kleinen Boeing 767-300. Jetzt ginge es gleich los, dachten manche und sollten sich noch nie so geirrt haben. Der Pilot hieß uns noch etwas Geduld aufzubringen, da noch nicht alle Passagiere an Bord wären, es würde sicherlich nicht länger als “quinze minutes” dauern. Fünfzehn Minuten konnten wir verschmerzen, freute man sich ja doch schon auf karibische Strände, herrlichstes Wetter und guten Segelwind. Die Passagiere, mittlerweile eingetroffen, konnten sogleich Zeugen der nächsten “quinze minutes” werden. Es gäbe Probleme mit dem Gepäck, weswegen man alles wieder ausladen müsse um es anschließend wieder neu einzuordnen. Es wurde langsam ungemütlich und nach etlichen “quinze minutes” – so circa zwei Stunden später – wurden wir angehalten den Flieger zu verlassen. Man könne nicht starten, da der ganze Flugverkehr auf Guadeloupe eingestellt wurde. Es hätte vulkanische Aktivitäten gegeben, es täte ihnen Leid. Sichtlich enttäuscht entstiegen die Passagiere der Maschine und horteten sich zu einer schier unüberblickbaren Menge in der Ankunftshalle um Gepäckstücke entgegenzunehmen. Da man über Lautsprecherdurchsagen nur Bruchstücke verstand – mein Französich ist nicht das Beste und Franzosen scheren sich ja bekanntlich auch nicht viel um eine klare Ausdrucksweise – konnte erst nach angemessener Zeit herausgefunden werden, dass sämtliche Flüge in die Karibik storniert worden waren. Englische Ansagen sind den Franzosen ein Dorn im Auge und darum wird darauf großzügig verzichtet, was nicht zuletzt ein Air France – Angestellter am Schalter betonte. Man spreche schließlich französisch in Frankreich, meinte er und brach auf um seine Pause zu machen. Man konnte nur noch staunen, wie egal diese Menschenmasse von geschätzten 600 Menschen einem Unternehmen wie Air France zu sein scheint. Stundenlanges Anstehen brachte einen Teilerfolg und man erhielt die Zusage, dass Kost und Logis übernommen werden. Man brauche nur mit dem Bustransfer zum zugewiesenen Hotel zu fahren, es sei alles in die Wege geleitet. Man sah den Silberstreif am Horizont und bemerkte erst nach weiteren Stunden, dass es sich um eine Fata Morgana gehandelt haben muss. Die Busse kamen genauso wenig, wie etwa englische Ansagen und der Ansagegong, der dort von einer lieblichen Melodie verkörpert wurde, ließ den Unmut nur noch wachsen.

(Der Ansage-Gong)

Wir beschlossen also eines der zahlreichen Taxis zu nehmen, aber keiner war gewillt uns mitzunehmen. Man habe das Gepäck nicht Platz, meinte ein Taxifahrer mit einem VW Sharan, ein “Vous êtes fou!” war die Antwort darauf. Also wieder zurück ins Gebäude, da man nicht ausgerüstet war, längerfristig zehn Grad unter Null zu trotzen. Nach weiteren Stunden erbarmte sich ein AF-Mitarbeiter und begann zu organisieren. Ein Bus stand schon in Warteposition, war bereits bestückt mit sechs Personen und nach Überreichung eines Schmiergeldes, war der Buschauffeuer gerne bereit uns ins nahegelegene Hotel zu fahren. Es war 22:00 als wir endlich dort ankamen.
Der nächste Tag versprach etwas mehr Reibungslosigkeit, denn nach getaner Frühstücksarbeit wurde sich gleich nach dem Shuttleservice gen Flughafen erkundigt. Die angewandten Französischkenntnisse taten das Ihrige und man befand sich wieder am Flughafen – es wurde bereits etwas heimelig ;-) Die Auskunft, die man dort erhielt ließ die Träume wieder aufleben und man bereitete sich auf eine lange Wartezeit vor, weil der Weiterflug nicht vor 20:00 stattfände. Es sei ohnehin schon ein zusätzlicher Flug eingeschoben worden. Der Tag wurde in einem überteuerten Flughafenbeisl verbracht, wo man für ein unverschämtes Bier unverschämte € 7,20 verlangte. Skeptiker veranlasst dies bereits dazu, ein wahrhaftes Konstrukt an Verschwörungstheorien zu schmieden und als in den Iden des Nachmittags alle Flüge in die Karibik eingestellt wurden, ward das Geschmeide vollendet. Es lägen immerhin fünfzehn Zentimeter Asche auf den Landebahnen und die Kehrmaschinen seien am Wochenende nicht gewillt bedient zu werden. Man könne erst ab Mittwoch wieder den Flugverkehr aufnehmen. Zum Glück konnten wir noch auf einen Flug nach München gebucht werden und so dieses Spektakel beenden – glaubte man. Als man am Taxistand erfuhr, dass die Fahrt nach quer durch Paris zum Flughafen Charles de Gaulle führe, konnten wir uns vor Taxiangeboten kaum noch retten :-D und im Nu befanden wir uns dort. Wir wurden eingecheckt, aufgerufen und begannen mit dem Boarding, da erschien Sicherheitspersonal und meldete eine Verzögerung an. Es gäbe technische Probleme an der Maschine, deshalb müsse eine andere vorbereitet werden. Dass das Boardingticket unseres Skippers auf einen falschen Namen ausgestellt wurde, war somit das kleinere Problem. Zu guter Letzt wurde dann doch geflogen und es wunderte schon niemanden mehr, dass ein Gepäckstück unseres Crewmitgliedes aus dem Burgenland in Paris zurückblieb. Alles andere wäre ja auch eine Farce gewesen :-D
Um 23:45 erreichten wir heimische Gefielde und wir waren uns einig: Ein Wochenende in Pariser Flughäfen hat durchaus seine Qualitäten, wenn man sie auch lange suchen muss, da sie gar nicht existieren ;-)
Ein neuer Anlauf wurde für 2011 geplant und für heuer wird noch an einem Törn in Kroatien oder Griechenland gefeilt.
Um zum Schluss noch unser ältestes Crewmitglied zu zitieren: “Drum mog i des Fliagn so gean. Do steigsch ein in Fliaga, aus ausn Fliaga und bisch im Urlaub!” :-D

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